ZUSAMMENGEFASST
- viele Ratgeber orientieren sich an der Arbeitswelt von gestern
- optimale Bewerbungsunterlagen sind selbstverständlich, jedoch kein Garant für einen neuen Arbeitsplatz
- verlassen Sie das Hamsterrad der Mappenproduktion und werden Sie aktiv
Die Mär von der perfekten Bewerbungsmappe
In den Buchgeschäften füllen Bewerbungsratgeber die Regale. Meterweise werden Tipps und Tricks für die perfekte Bewerbungsmappe offeriert. Der Inhalt der einzelnen Bücher unterscheidet sich oft nur in Nuancen. Allerdings haben es diese Nuancen in sich, denn jede einzelne verspricht die „ultimativ perfekte Mappe“.
Viele der Ratgeber orientieren sich an der Arbeitswelt von gestern. Somit sind zahlreiche Tipps und Ratschläge ebenfalls von gestern. Zum Beispiel wird gerne auf dem Punkt herumgeritten, wie Lücken im Lebenslauf gekonnt wegformuliert werden können. Doch der lückenlose Lebenslauf wird mehr und mehr zum Relikt vergangener Zeiten. In Zeiten befristeter und/oder projektbezogener Arbeitsverträge und einer Arbeitsmarktsituation, in der Kündigungen jeden und jede treffen können, werden solche ‘Lücken‘ immer selbstverständlicher. Außerdem gibt es keine Lücken im Lebenslauf, denn wir können nicht nicht leben – oder?
Und ganz nebenbei bemerkt: Sich zu bewerben ist Arbeit, meist ein Vollzeitjob, oftmals sogar ohne Wochenende und Urlaub.
Die perfekte Bewerbungsmappe führt die Rangliste gültiger Kriterien für erfolgreiche Bewerbungen nach wie vor an. Sie wird als Garant für erfolgreiche Bewerbungen gehandelt. Bleiben ihre Bewerbungsaktivitäten dennoch erfolglos, so glauben viele, dass Ihre Mappe doch noch nicht perfekt ist oder sie sich für den ‘falschen‘ Ratgeber entschieden haben.
Die Suggestion: perfekte Mappe = erfolgreiche Bewerbung zeigt Wirkung. Die BewerberInnen gehen mit immer „noch perfekteren“ Bewerbungsmappen in die nächste Bewerbungsrunde...
Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Selbstverständlich sind optimale Bewerbungsunterlagen unerlässlich, selbstverständlich sollen sich die Bewerbungsunterlagen an den gängigen Bewerbungsstandards orientieren:
- einem gut strukturierten Lebenslauf, der einen schnellen Überblick über das Erfahrungs- und Qualifikationsprofil des Bewerbers gibt,
- einem Anschreiben, das eine Kostprobe der Persönlichkeit, der Motivation und der Kompetenz der Bewerberin vermittelt, dabei
- nicht länger als eine Seite ist
- frei von Rechtschreibfehlern ist
- ein klares Layout hat
- im Briefkopf alle relevanten Kontaktdaten enthält
- einen Ansprechpartner/ eine Ansprechpartnerin benennt.
Optimale Bewerbungsunterlagen sind selbstverständlich, jedoch kein Garant für einen neuen Arbeitsplatz, auch wenn viele Ratgeber, Trainingsanbieter, die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter dies suggerieren wollen.
Bekommen BewerberInnen immer nur Ablehnungen, kann das auch heißen, dass der Markt gesättigt ist, dass – im Augenblick – das Kompetenzprofil xy nicht gefragt ist. Eine bittere Erkenntnis! Doch ist es wenig hilfreich, vor dieser Erkenntnis die Augen zu verschließen und weiterhin ein zwar perfekt verpacktes, jedoch nicht benötigtes Angebot zu verschicken. Manchmal sind Ablehnungen auch ein Hinweis für die Nutzung zu enger Suchfilter (Region, Position und ähnliche Kriterien) der Bewerbenden.
Die Mär von der perfekten Bewerbungsmappe ist irreführend. Sie beschäftigt die Menschen und macht sie damit gleichzeitig passiv. Verlassen Sie das erschöpfende Hamsterrad der Mappenproduktion und werden Sie aktiv. Entwickeln Sie eine neue Bewerbungsstrategie.
Eine Fundgrube...
In seinem neusten Buch „Mach Dein Ding!“ (Eichborn, Berufsstrategie) enthüllt der Kommunikationstrainer und Coach Thilo Baum typische Denkfallen der Arbeitswelt. Es ist eine Fundgrube für all die, die eine individuelle Bewerbungsstrategie entwickeln möchten.
